Einige ausgewählte Holzpilzarten

Holz ist chemisch betrachtet ein hochkomplexer Werkstoff, in dem im Laufe des Baumwachstums zahlreiche wichtige Nährstoffe gespeichert werden. Diese wieder für die ökologischen Stoffkreisläufe und bodenbildenden Prozesse freizusetzen, ist die wesentliche Funktion holzzersetzender Pilze.

Ebenso vielfältig wie die ökologischen Bedingungen unter denen Gehölze wachsen sind die holzzersetzende Pilze und ihre Fähigkeiten. Allein in Europa gibt es etwa 1.200 höhere Pilze, die mit Holzabbau in Zusammenhang stehen.

Dabei beginnt der Holzabbau nicht immer erst wenn ein Baum oder ein Teil von ihm endgültig abgestorben ist, sondern nicht selten bereits im mehr oder weniger geschwächten Baum. Werden Anzeichen auf eine möglicherweise ausgedehnte Holzzersetzung durch Pilze gefunden, sind bei Bäumen im verkehrsexponierten Bereich häufig eingehende Untersuchungen angezeigt.

Hier sollen nur einige wenige Pilzarten beispielhaft beschrieben werden, deren Auftreten an Bäumen regelmäßig ein großes ökologische Potential für andere Arten eröffnen. Allerdings kommt in der Regel mehr als eine Pilzart in einem Baum vor, wenn auch deren Pilzfruchtkörper nicht immer leicht zu entdecken sind.

Schwefelporling (Laetiporus sulphureus ) in Eiche (Quercus spec.)

Der Schwefelporling kann in Eiche durch Braunfäule im Kernholz einen intensiven und weit reichenden Holzabbau zu bewirken. Das Splintholz kann er vermutlich nicht angreifen. Da Stämme und Starkäste lebender Eichen nur einen wenige Zentimeter starken Splintholzbereich aufweisen, kann eine weit reichende Holzzersetzung durch den Schwefelporling zum Bruch oder erheblichen Bruchrisiken führen. Der Schwefelporling gehört zu den am häufigsten mit Baumunfällen assoziierten Pilzarten.

Der Zersetzungsprozess im lebenden Baum dauert jedoch, insbesondere an Eichen nicht selten über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte an, so dass die häufig in mit Schwefelporling besiedelten Eichen entstehenden ausgedehnten Höhlungen verschiedensten Tierarten als Brut-, Nahrungs- und Lebensstätte zu Verfügung stehen kann. Es gibt aber auch mindestens elf Käferarten, die an die Fruchtkörper des Schwefelporling gebunden sind. Eichen mit großen Höhlungen können zum Beispiel vom Eremit, dem Großen Goldkäfer aber selbstverständlich auch von verschiedenen Vogel und Fledermausarten besiedelt sein.

Lackporlinge (Ganoderma spec.) und Hallimasch (Armillaria spec.)

Diese beiden im Grunde sehr verschiedenen Pilzarten verursachen in der Regel durch bevorzugten Ligninabbau in den frühen Phasen der Zersetzung Holzerweichung, also eine selektive Weißfäule. Je nach Ausgangsbedingung kann der Pilz bereits durch Fächermycelbildung einen Baum schnell abtöten, bevor ihn zersetzt. Die bei der Baumkontrolle nicht selten als "Flaschenhals" oder "Elefantenfuß" auffallenden verdickten Stammbasen können zum Beispiel von diesen Pilzarten verursacht sein. Wurde der Baum durch intensiven Holzabbau, (Holzerweichung) und dadurch entstehenden Spannungerhöhung auf seiner Oberfläche zu erhöhten Zuwachsraten angeregt, kann davon ausgegangen werden, dass es im Bauminneren eine weit reichende Holzzersetzung und/oder eine Höhlung in der Stammbasis gibt. Auch wenn diese oberhalb des Bodenhorizontes geschlossen erscheinen mögen, stehen sie vielen Tierarten als Lebensraum zur Verfügung. Nicht selten finden sich hier Holzameisen und in ihrem Gefolge wiederum an diesen gebundene andere Insektenarten. In solchen tiefen geschlossenen Höhlungen könnte potenziell jedoch auch der extrem seltene Veilchenblaue Wurzelhals-Schnellkäfer (Limoniscus violaceus) oder andere seltene hochspezialisierte Arten leben.

Hochtronender- oder Goldfell-Schüppling (Pholiota aurivella)

Der Pilz verursacht eine braun erscheinende Holzzersetzung, bei der es sich chemisch und physikalisch jedoch eindeutig um eine hauptsächlich simultane Weißfäule handelt, bei der es in den frühen Phasen der Zersetzung zu einer Verschuldung des Holzes kommt. Auch diese Pilzarten ist ein "Schwächeparasit", der nicht selten an Park- und Straßenbäumen vorkommt. Einer der häufigsten Wirte ist die Rotbuche, doch kommt die Art zum Beispiel in Parkanlagen regelmäßig auch an anderen Laubbaumarten wie zum Beispiel Ahornen und Linden vor. In der Literatur ist über die Pilzart leider nur wenig bekannt, so dass es zur "Gefährlichkeit" im Grunde wenig zu sagen gäbe (nach einer Freistellung und darauf folgende Rissbildung im Stamm ist es im Schlosspark Glienicke zu einem Bruch im Zusammenhang mit diesem Pilz gekommen). Nach Beobachtungen von Ökologen scheint es jedoch so, dass gerade diese Pilzart häufig an der Bildung lange bestehender definierter Höhlungen im Stamm- und Starkastbereichen von Laubbäumen beteiligt ist. Solche Höhlungen werden dann nicht selten zum Beispiel von Eulenvögeln besiedelt.

Eichen-Feuerschwamm (Phellinus robustus) und Kiefern-Feuerschamm (Phellinus pini)

Bei den Feuerschwämmen, einer Gattung holzzersetzende Pilze, können in Deutschland, in gemäßigten Höhen, über zehn Arten vorkommen. Viele dieser Arten weisen eine mehr oder weniger ausgeprägte Wirtstreue oder nur ein sehr kleines Wirtsspektrum auf. Der Eichen-Feuerschwamm kommt am häufigsten in den einheimischen Eichenarten vor, aber auch in Rot-Eichen, Robinien und Edelkastanien. Ein einzelner Fund an einer Esche war schon eine ökologische Besonderheit. Der Kiefern-Feuerschwamm scheint ausschließlich an Waldkiefern vorzukommen.

Während der Eichen-Feuerschwamm eine besondere Form der simultane Weißfäule verursacht, erzeugt der Kiefern-Feuerschwamm eine selektive Weißfäule die übergangsweise als "Weißlochfäule" (im Holz entstehen zeitweise wabenartige Löcher die mit watteartigen Zelluloseresten gefüllt sind) in Erscheinung tritt. Neben anderen Symptomen - bei Eichen-Feuerschwamm kann die eine großen und/oder Überwachungswülste neben diesen und bei Kiefern-Feuerschwamm lokale Rindeneinsenkungen und/oder Harzfluss -  sind gegebenenfalls auftretende Pilzfruchtkörper wesentliche und häufig die einzigen Hinweise auf das Vorhandensein einer Innenfäule.

Bei diesen beiden Feuerschwammarten sind auffällig oft in Fruchtkörpernähe auch Spechtlöcher vorhanden, die bisweilen auch leicht übersehen werden können, zum Beispiel wenn sich das Spechtloch sehr dicht unter einem Fruchtkörper befindet. Unabhängig von der individuellen Gefahrenbewertung aus Sicht der Verkehrssicherung der bei diesen Pilzarten auch zu beachten, ob der durch den Pilz besiedelt Baum möglicherweise auch eine durch einen Specht besiedelten Baum ist.

 

 

 

Bereits stark zersetzte Zunderschwamm-Buche. © A. von Lührte

 

 

 

Schwefelporling (Laetiporus sulphureus). © N. A. Klöhn

 

 

 

 

Glänzender Lachporling (Ganoderma lucidum). © N. A. Klöhn

 

Dunlker Hallimasch (Armilaria ostoyae). © N. A. Klöhn

 

 

 

Hochtronender Schüppling - Goldfell-Schüppling (Pholiota aurivella). © N. A. Klöhn

 

 

Eichen-Feuerschwamm ( Phellinus robustus). © N. A. Klöhn