Die natürlichen Lebensphasen eines Baumes

Ein Schlüsselfaktor für die naturschutzfachliche Bedeutung des Baumbestands von historischen Parkanlagen ist das Baumalter. Viele der heute bei uns seltenen und geschützten Tierarten sind gerade auf alte Bäume und ihre vielfältigen Strukturen angewiesen.

Unsere Vorstellungen vom Leben und Sterben eines Baumes sind geprägt von der forstlichen Sichtweise vitaler Bäume und deren Hiebsreife. Nur selten können Bäume bei uns natürlich altern. Während daher im Wald nur selten Altbäume und sogenannte Baumveterane zu finden sind, wurden in der Regel Altbäume in historischen Parkanlagen aufgrund ihres Alterswertes, ihrer Ästhetik und ihrer Funktion im Park längstmöglich erhalten.

Alte Bäume in der Landschaft oder im besiedelten Raum genießen meist eine besonders hohe Wertschätzung als kulturhistorische Zeugen, wie zahlreiche Vereinigungen zum Schutz alter Bäume, viele Publikationen und Fotobücher zeigen. Insbesondere englische Naturschutz-Initiativen wie das ancient-tree-forum beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Erhalt und Schutz von alten Bäumen.

Natürlich ist auch das Leben eines Baumes nicht nur von der Baumart sondern auch sehr individuell von vielen inneren und äußeren Faktoren geprägt, nicht alle erreichen ein hohes Alter.

Grundsätzlich kann man aber 3 Lebensphasen unterscheiden:

 Die natürlichen Lebensphasen eines Baumes. Nach: English Nature (2000), verändert.

 

  1. Die Entwicklungsphase, die von der Keimung bis zum Jugendstadium reicht und durch eine hohe Wachstumsrate und hohe Vitalität gekennzeichnet ist.
  2. Daran schließt sich die Reifephase an, in der der Baum seine optimale Kronengröße und  seine maximale Blüten- und Samenproduktions-Kapazität erreicht hat und das Verhältnis von Wurzel- und Laubmasse ausgeglichen ist. Das Wachstum ist relativ gleichförmig, es kommt aber bereits zu ersten kleinen Funktionsstörungen wie Risse, Löcher, Totäste, die eine Erstbesiedelung durch Pilze oder Holzinsekten ermöglichen.

  3. Die Altersphase zeichnet sich durch abnehmendes Wachstum und verringerte Vitalität aus. Zunächst wird die Krone lichter und einzelne Partien sterben ab, während der untere Kronenteil die Versorgung übernimmt (Kroneneinkürzung). Die absterbenden und bereits abgestorbenen Bereiche werden zunehmend von Pilzen und holzbewohnenden Insekten besiedelt. Der einsetzende Holzabbau führt zu einer großen Nährstofffreisetzung für saprophytische Organismen. Durch die verkleinerte Krone kann nicht mehr der ganze Stamm mit Nährstoffen versorgt werden und einzelne Partien (auch der Rinde) sterben ab.

Dieses v.a. bei Eiche typische Stadium zeigt nicht unbedingt an, dass der Baum nun abstirbt, im Gegenteil kann solch ein Baum über lange Zeit weiter existieren, da er ein neues Gleichgewicht zwischen Blattmasse und zu versorgendem Stamm und Wurzelholz erreicht hat. Dieses Stadium kann sogar das ingesamt längste in seinem Leben sein!

Und zugleich ist solch ein Baum ein unschätzbar wertvoller Lebensraum für eine große Anzahl hochspezialisierter Tier- und Pilzarten. Im Laufe der Zeit kommt dann zur stärkeren Höhlungen, Totäste brechen ab, der ganze Stamm wird in sich instabil, die Krone bricht unter der Last der Äste zusammen. Schließlich stirbt der Baum und das Holz wird über einen längeren Zeitraum durch das Zusammenspiel verschiedenster Organismen im Nährstoffkreislauf recycelt.

 

Eichenaufwuchs. © A. von Lührte

 Mittelalte Stieleiche im Berliner Tiergarten. N.A. Klöhn

Eine der berühmten Ivenacker Alt-Eichen. © A. v. Lührte

Eichenveteran. © N. A. Klöhn

 

Diese Organisationen setzen sich für den Erhalt alter Bäume ein:

AG Biotopholz Berlin

Ancient tree forum

Kulturgut Baum e.V.

Deutsches Baumarchiv